Wenn am 8. Juni die Fußball-Europameisterschaft 2012 mit dem Spiel Polen gegen Griechenland im Nationalstadion Warschau angepfiffen wird, kann ein Mann kräftig durchatmen: Marcin Herra, Präsident des polnischen Organisationskomitees. „Die Uhr war ständig gegen uns, aber wir sind nie in Klagelieder verfallen und konnten die enormen technischen Herausforderungen letztlich doch bewältigen. Polen und die Ukraine waren in den letzten Jahren sicherlich die größte Baustelle Europas!“ Dafür stehen in den beiden Austragungsländern insgesamt acht neue Stadien – architektonische Schmuckstücke, die schon jetzt als neue, nationale Wahrzeichen gelten. Die Vorgaben der FIFA waren klar: Makellose Sportstätten sollten es werden, Kathedralen des Fußballs. Doch wie baut man eigentlich ein perfektes Stadion?
Keine einfache Frage, denn die Ansprüche an eine Fußball-Arena haben sich in den letzten Jahren stark geändert. In den 1970er Jahren galt noch die Prämisse, Stadien möglichst großzügig, offen und luftig zu bauen. In jener Zeit entstand etwa das Münchener Olympiastadion mit seiner unverwechselbaren Plexiglas-Dachkonstruktion. Heute hingegen sind Arenen mit steilen, eng ans Spielfeld gebauten Rängen angesagt – so genannte „Hysterie-Schüsseln“, in denen die Stimmung sofort überkocht, die Welle schneller durch das Stadionrund läuft und die Schlachtgesänge laut widerhallen. Schließlich soll auch der TV-Zuschauer die Atmosphäre hautnah mitbekommen. Im Prinzip werden moderne Fußballstadien für ihn gebaut: „Eine Arena ist heutzutage ein überdimensionales TV-Studio“, so Organisator Herra.
In den EM-Stadien müssen deshalb bis zu 40 Kameras positioniert werden, darunter auch auf Gleisen fahrende Spezialkameras an der Außenlinie und eine „Beauty“-Kamera hoch über dem Spielfeld, welche die voll besetzte Arena in der Totalen einfängt. Und weil Fernsehleute keine Schatten und keine schwer kontrollierbare Mischung aus Tages- und Flutlicht mögen wird die Bedachung so gestaltet, dass selbst bei strahlendem Sonnenschein nicht mehr als zwölf Prozent des Tageslichts auf das Spielfeld fallen. Deshalb haben die Stadien halb durchsichtige Dächer aus Materialien, die ihre Lichtdurchlässigkeit verändern können. Diese Anforderungen sind bis ins Detail in den „Technischen Empfehlungen für Fußballstadien“ der FIFA festgehalten. de.uefa.com/uefaeuro2012/
5 Bildbände “50 Stadien in Europa” zu gewinnen >