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Sail & Run: Christian Schiester unterwegs auf den Weltmeeren

Erfahren Sie im Interview mit Extremsportler und Abenteurer Christian Schiester mehr über sein Projekt "Sail & Run".

Gigasport Oktober 05, 2017 / by Gigasport

Der als Extremsportler bekannte Christian Schiester hat bereits mehrfach für Aufregung gesorgt, ob es dabei um den Desert Cup in der Atacamawüste ging, das Antarktis Race oder das Himalaya Stage Race. Nun stellt er sich zusammen mit seiner Lebensgefährtin einer neuen und wieder einmal sehr ungewöhnlichen Herausforderung: Für sieben Jahre sagten die beiden der Heimat „adé“ und starteten den Segeltörn um die Welt. Sie riefen das Projekt „Sail & Run“, dessen stolzer Sponsor Gigasport ist, ins Leben, um jene außergewöhnliche und sportliche Symbiose zu verdeutlichen, der sie sich verschrieben haben. Doch was genau führte zu dieser Entscheidung und wie realisiert Christian Schiester „Sail & Run“?

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Christian Schiester über den Wert der Zeit

Nicht immer war Christian Schiester Extremsportler. Heute weiß er, wie wichtig die eigene Gesundheit und wie wertvoll die Lebenszeit ist. Aus diesem Grund erzählt er in einem Interview mit Gigasport, worum es in dem Projekt „Sail & Run“ geht:

Herr Christian Schiester, Sie haben sich entschlossen, sich mit Ihrer Lebensgefährtin vom Alltagsleben zu verabschieden und für sieben Jahre die Welt zu umsegeln. Warum sind es gerade sieben Jahre? Ist ein Abenteuer, das ein paar Wochen anhält, Ihnen nicht genug?

Nein. Zeit ist und bleibt das Wertvollste für mich in meinem Leben. Niemand weiß, wie lange er noch sein darf, auf dieser wunderschönen Welt. Deshalb investiere ich so viel Zeit wie möglich in Erlebnisse, die mich absolut begeistern. Das Projekt „Sail & Run“ ist (vorerst) auf 7 Jahre anberaumt. Was aber keinesfalls heißen muss, dass es damit auch ein Ende finden wird, oder vielleicht auch davor schon beendet ist. Falls wir an irgendeinem wunderbaren Ort dieser Welt „picken bleiben“ sollten…

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Der lange Weg zum „Sail & Run“

Auf Ihrer Website berichten Sie, dass Sie im Alter von 20 Jahren ein übergewichtiger, nikotinabhängiger Stubenhocker waren. Heute verbringen Sie einen Großteil der Tage unter freiem Himmel und zählen zu den erfolgreichsten Extremsportlern der Welt. Sie sind sozusagen von einem Extrem ins andere übergegangen. Wie konnten Sie sich zu einem so drastischen Lebenswandel motivieren?

Mein Hausarzt meinte damals, als ich 22 Jahre alt war: „Du wirst keine 30 Jahre alt bei diesem Lebenswandel. Das garantiere ich dir. Ändere dich, oder du stirbst.“
Grund genug, um mein Leben zu ändern, auf neue interessante Ziele hinzuarbeiten. Vielleicht auch ein Grund, warum ich nicht nur extrem, sondern vor allem intensiv lebe…

Die Liebe zum Wasser

Schon vor einigen Jahren konnte Christian Schiester seine Segelleidenschaft realisieren. Bereits zu dieser Zeit wurde ihm klar, wie wichtig es ist, auch in Ausnahmesituationen die Kontrolle zu behalten und mutig selbst größte Entscheidungen zu treffen.

Ihr erstes Segelboot haben Sie in Kroatien gekauft, mit welchem Sie allerdings heute nicht mehr segeln, da es unterging. Wie kam es zu diesem Kentern und was haben Sie von diesem Vorfall gelernt?

Ich habe für die Aktion „Licht ins Dunkel“ vom ORF ein Exponat versteigern lassen, das einem großzügigen Spender für die gute Sache die Gelegenheit gab, einige Tage mit mir mitzusegeln. Bei den Dreharbeiten dazu überraschte uns ein Sturm. Ich musste das Boot gezielt an die Steilküste krachen lassen, um das Leben der Crew (und mein eigenes) zu retten. Andernfalls wären wir draußen in der Finsternis der Adria wohl gesunken und gestorben. Es wäre möglich gewesen, das Boot zu retten, allerdings mit einem sehr großen Risiko für die Mannschaft an Bord. Gelernt??? SAFETY FIRST…

„Sail & Run“ – wenn gleich zwei Sportarten die Welt bedeuten

Für einen Extremsportler sind viele Eigenschaften wichtig: Energie, die Liebe zum Sport und natürlich das Durchhaltevermögen auch in schwierigen Situationen. Kondition, Mut und der Durchblick – zu Wasser und zu Land – inspirieren Christian Schiester Tag für Tag und (See-)Meile für (See-)Meile.

Sail ‘n Run/Segeln und Laufen – zwei Sportarten, die auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeiten haben. Warum haben Sie sich entschlossen, Sail ‘n Run zum Motto ihres siebenjährigen Abenteuers zu machen? Wie sind diese zwei Sportarten kombinierbar?

Jede Sportart ist meiner Meinung nach kombinierbar. Sport verbindet ja grundsätzlich. Es kommt auf den persönlichen Zugang dazu an. Während der Ausübung jeder Sportart eignet sich der Mensch besondere Fähigkeiten an. Fähigkeiten, die er durchaus auf mehreren Ebenen seines alltäglichen Lebens auch einsetzen kann. Was lernt der Läufer? Durchhalten… und dieses Durchhalten ist vor allem weit draußen auf dem Ozean ein „must have“ für den Segler…

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Konfliktlösungen zu Wasser und zu Lande: Herausforderung Weltumseglung

Dass es nicht unbedingt einfach ist, für längere Zeit auf dem Segelboot zu leben und dabei die Welt zu umrunden, war den beiden schon von Anfang an klar. Wie wichtig es ist, sich sozusagen mit der Natur zu verbünden und wie man – etwa auf hoher See – am besten Konflikte löst, erfahren Sie aus erster Hand:

Was Sie am Segeln begeistert, ist die Kommunikation mit der Natur, behaupten Sie in einem Ihrer Promotionvideos. Bitte erklären Sie, wie kommuniziert man als Segler mit der Natur, und was für Antworten kann man sich erwarten?

Der Segler ist mit Sicherheit einer der naturbewusstesten Menschen überhaupt. Wir sind lautlos mit der Kraft des Windes unterwegs. Wir deuten das Wetter, um genau diese Winde richtig zu nutzen. Verbünden uns mit den Tieren, um weit draußen am Meer nicht allein zu sein. Und wir haben Zeit, weil wir sehr langsam unterwegs sind. Und diese Zeit nutzen wir, um die Natur zu beobachten… es gibt sie noch, die unberührten Plätze, wo der Mensch nur ein kleiner Teil der Natur ist. Denn dort, wo er in Massen auftritt, hat er versucht, die Natur zu unterjochen und sie damit gleichzeitig zerstört.

Auf einem Segelboot kann man Konflikten mit Mitmenschen nicht aus dem Weg gehen. Sieben Jahre gemeinsam mit Ihrer Lebensgefährtin auf einem Segelboot scheint für viele ein Vorhaben der Unmöglichkeit zu sein, egal, wie sehr man verliebt ist. Welche Qualitäten braucht eine Beziehung, Ihrer Meinung nach, damit ein Paar sieben Jahre auf hoher See miteinander auskommt?

Das Ziel jeder Beziehung sollte doch sein, ein Leben lang miteinander auszukommen, oder??? Was sind da 7 Jahre dagegen für eine verschwindend kurze Zeit… Es braucht Vertrauen, Verständnis und Zusammenhalt. Die Basis wohl jeder Beziehung…

Wie und wen können Sie im Fall eines unvorhersehbaren Notfalls um Hilfe rufen? Stellen Sie sich vor, Ihre Freundin steuert das Boot, bekommt einen Hitzschlag und fällt ihn Ohnmacht. Wie reagieren Sie?

Zunächst sollte und muss man sich selbst helfen. Ich bin ausgebildeter Sanitäter und habe eine vollständige medizinische Ausrüstung auch für ernste Notfälle an Bord. Sollte bei mir selber etwas passieren, habe ich in erster Konsequenz mir selbst zu helfen. Erst dann könnte man via Satellit oder Marinefunk um Hilfe von außerhalb bitten, sofern man in der Nähe eines Landes ist. Auf offener See aber gelten eigene Gesetze. Gesetze, die die Eigenverantwortung an die erste Stelle rücken…

Wochenlang auf dem offenen Meer von nichts anderem umgeben als dem blauen Nass. Ist das nicht sterbenslangweilig? Wie halten Sie sich bei Laune, gerade dann, wenn das Segeln eintönig wirkt und das Wetter keine Herausforderung bereitet?

Ansichtssache. Keine Herausforderung auf dem Meer – das gibt es nicht! Allein die Tatsache, dass immer und alles passieren kann, egal wo und wann, ist genug Herausforderung. Und beim kleinsten Fehler kann alles vorbei sein. Und damit meine ich wirklich alles. Es sind aber die Erfolgserlebnisse wie ein selbst gefangener Fisch, ein hohes Etmal (=innerhalb von 24 Std. zurückgelegte Distanz), wunderschöne Sonnenauf- und -untergänge, mitschwimmende Wale, Funksprüche anderer Segler oder Frachtschiffe, gute Speisen usw. Wir hangeln uns täglich von kleinen Erfolgen zu kleinen Erfolgen. Bis wir wieder Land in Sicht haben…

 

Catch of the Day: Buffet oder à la carte?

Wenn man sieben Jahre lang die Welt in einem Segelboot umrunden möchte, stellt sich natürlich auch die Frage nach der richtigen und vollwertigen Ernährung. Wie Christian Schiester und seine Lebensgefährtin auch diese kulinarische Herausforderung meistern? Lesen Sie selbst:

Wie sieht der typische Speiseplan eines weltumreisenden Seglers aus? Besteht Ihre Ernährung zum größten Teil aus Fisch, den Sie von Ihrem Segelboot aus angeln, oder doch aus Gerichten in Pulverform?

Wir bunkern grundsätzlich nur vor weiten Strecken. Vorwiegend Reis, Nudeln, Kartoffeln und auch die eine oder andere Dose ist dabei. Ganz besonders freuen wir uns, wenn ein knackiger Thunfisch oder Barracuda an der Angel zappelt. In verschiedensten Varianten kochen wir den Fisch über mehrere Tage. Steirischer Sterz ist aber immer wieder unser Schmankerl zum Kaffee. Frühmorgens, wenn die Sonne aufgeht…

„Sail & Run“ – die Reise um die Welt, die letztendlich zu sich selbst führt

Eine siebenjährige Weltumrundung ist mitnichten ein entspannter Spaziergang. Doch für den Extremsportler ist es auch kein waghalsiges Abenteuer, da er die Reise professionell vorbereitet hat und wie bei jeder Expedition sein Ziel nicht aus den Augen verliert: das Leben und seine Schönheit.

Ziel ist es, in den sieben Jahren die Welt zu umrunden. Nach welchen Kriterien haben Sie sich ihre Route ausgesucht? Von welchen Experten kann man sich Rat holen, oder haben Sie alles ohne Hilfe geplant und kalkuliert?

Wir segeln immer Richtung Osten, also gegen den Wind. Die klassische Weltumsegler-Route geht ja nach Westen (mit dem Wind). Wir wollen unsere eigene Route segeln, abseits der Massen, abseits vieler vorgefertigter Meinungen. Wir bleiben auch an den exotischsten Plätzen (vorwiegend Inseln) längere Zeit, um Menschen zu begegnen, von ihnen zu lernen. Auf der Suche nach Sinn und Unsinn auf dieser Welt…

Was sind Ihre Pläne, wenn das siebenjährige Segelabenteuer sein Ende genommen hat?

Ich werde niemals aufgeben, weitere Ziele zu verfolgen. In welcher Form auch immer…

 

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Wir freuen uns darüber, dass wir den Extremsportler Christian Schiester und seine Lebensgefährtin beim Projekt „Sail & Run“ unterstützen können und freuen uns auf viele tolle Eindrücke von dieser unglaublichen Reise. Wir drücken die Daumen und wünschen „immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“!

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